birlik

 

2008: ein neuer Dienst ergänzt >MONA<

>MONA< steht als Kürzel für Mobile Organisation Notfallseelsorge & Anschlussdienste.

Der erste und wichtigste dieser Anschlussdienste ist KID, der Kriseninterventionsdienst. Seit  Beginn des Projektes arbeiten Notfallseelsorge (NfS) und KID harmonisch zusammen, ergänzen sich perfekt.

2007 z.B. entfielen 107 Einsätze auf KID, 48 auf NfS. Seit Aufnahme des regulären Dienstes im Jahr 1996 haben wir bereits eine Verbindung zu unseren muslimischen Mitbürgern gepflegt, die sich allerdings auf Dolmetscher- und Vermittlertätigkeiten beschränkte. Angestrebt wurde jedoch eine intensivere Zusammenarbeit.

2007 endlich gelang uns der entscheidende Durchbruch: Auf Vermittlung unserer 3.Vorsitzenden des BRK-Kreisverbandes Kelheim, Frau Deborah Zinsser-Krys konnten wir eine Konsolidierung dieser lockeren Verbindung erreichen. Vier Mitglieder des türkisch-islamischen Vereins Kelheim erklärten sich nach reiflicher Überlegung bereit, ehrenamtlich bei >MONA< mitzuarbeiten. Drei davon haben inzwischen den certifizierten KID-Kurs BRK BY absolviert und stehen nun für Einsätze bereit. Die neue Gruppe arbeitet unter dem Titel „birlik“, was man am besten mit „Zusammenhalt“ übersetzt. Wir haben uns gemeinsam für diesen Namen entschieden, weil wir mit der neuen Projektgruppe eine Brücke bauen wollen zwischen Türken und Deutschen, zwischen Islam und Christentum, zwischen türkischstämmiger und einheimischer Bevölkerung. So sind denn auch unsere Mitarbeiter richtig „bayerische Türken“, die auch mit dem niederbayerischen Dialekt zurechtkommen. Einfache, gestandene Familienväter Mitte 30, Anfang 40, Schichtarbeiter, mit den Problemen des Alltags vertraut, jedoch tief verwurzelt in ihrer Religion.

Drei von ihnen bringen zudem Erfahrung als Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins mit, sind also geübt im Umgang mit Menschen und gelten als Respektspersonen innerhalb der türkischen Gemeinde. Sie sind in der Lage, bei Unglücksfällen adäquat zu helfen, vor allem aber den religiösen Bedürfnissen ihrer Landsleute gerecht zu werden. Man kann sie also, trotz ihrer speziellen Ausbildung Richtung Krisenintervention, genau so gut der Notfallseelsorge zurechnen. Typisch >MONA< eben, bilateral orientiert.

Mit „birlik“ leisten wir wieder einmal Pionierarbeit auf dem Gebiet der psychosozialen Notfallversorgung und setzen damit auch ein Zeichen für die Integration  ausländischer Mitbürger und die Coexistenz der großen Religionen in unserem Land. Gerade jetzt, in einer Zeit allgemeiner Verunsicherung und gegenseitigen Misstrauens ist dies zweifellos ein wichtiger Schritt.

Ihre Feuertaufe hat die neue Gruppe übrigens bereits bestanden: nach einem Verkehrsunfall auf der B 16 bei Lengfeld, bei dem ein türkischer Fahrer ums Leben kam, leisteten unsere Helfer wertvolle Dienste zur Unterstützung der NfS Regensburg, indem sie die Hinterbliebenen fachgerecht betreuten.

Möge durch „birlik“die Idee von >MONA< neuen Auftrieb bekommen! Ich wünsche den Mitarbeitern unseres neuen Anschlussdienstes vor allem anhaltende Motivation, Durchhaltevermögen und bei allen Einsätzen die Gnade Allahs, so dass sie spüren, wie segenreich ihre Arbeit ist.

Übrigens: als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung gegenüber unseren türkischen Freunden werden wir in Zukunft neben dem Zeichen des Roten Kreuzes auch das Zeichen des Roten Halbmondes  in unserem Briefkopf führen.

 Erich Stauber,  Mai 2008